Freiheit
Obwohl kaum ein Mensch es zu schätzen weiß, geschweige denn im überwiegenden Maße damit umgehen kann, ist unser größter Kampf doch schon immer der um die eigene Freiheit gewesen. Dieser Ausdruck der Freiheit umfasst hierbei nicht ausschließlich, die in einer Demokratie verankerten, Grundrechte jedes Einzelnen, sondern geht meiner Meinung nach über jegliches von Machtstrukturen geschaffenes Gesetz hinaus. Wird durch die Grundrechte zunächst eine strahlende Version der eigenen Freiheiten versprochen, finden durch die unzähligen Gesetze des modernen Rechtsstaates so viele Einschränkungen statt, dass sich das versprochene Leben ganz schnell komplizierten Strukturen unterwirft. Ein Zustand dessen Notwendigkeit ich zwar nicht in Frage stellen möchte, dessen primären Adressanten ich aber für den geistig unmündigen Menschen halte. Doch noch viel schwerer als die gesetzlichen Rahmenbedingungen schränken wir uns selbst ein.
Wir strukturieren unser Leben mit irrsinnigen Konventionen und verlieren dabei den Fokus auf das Wesentliche. Am Ende ist man so sehr mit (sozialen) Protokollen beschäftigt, dass man die größeren Möglichkeiten eines Miteinanders vollkommen vergisst. Beispielhaft für dieses Phänomen ist unser Kommunikationsverhalten. Anstatt sich auf einen relevanten Kontext zu konzentrieren rücken die Konventionen, wie beispielsweise das Vorheucheln von Emotionen, in den Vordergrund der Konversation. Selbstverständlich hilft es einem menschlichen Gegenüber, die Bestätigung zu bekommen angehört oder gar verstanden zu werden, aber mit diesen unzähligen Gesten wird aus einem einstmaligen Kommunikationsmittel eine Farce. Widersetzt man sich dann diesen Richtlinien, wird man mit Unverständnis oder Ablehnung konfrontiert. Beinahe so als ob man nicht die gleiche Sprache oder Kultur besitze. Was ist in so einer Situation, in der die Präsentation der Nachricht wichtiger ist als der Inhalt der Nachricht, also zu tun? Hier bleibt einzig und allein die Freiheit des Schweigens. Weshalb sollte man sich mit trivialen Konversationen verstreuen, wenn es komplexere Strukturen zu erforschen gilt.
Ein weiterer Eckfeiler der persönlichen Freiheit ist die Möglichkeit sich von dem Wahnsinn des Systematischen abzuwenden. Bezeichnend für diese Konstrukte stehen Krieg oder Kapitalismus. Zwar haben auch solche Konstrukte irgendwo eine Daseinsberechtigung innerhalb der menschlichen Gesellschaft, doch das rechtfertigt nicht ihren extremen Wahnsinn. Verfällt man den Fieberträumen solcher Systeme und das obwohl man im Innersten seines Wesens die Rahmenbedingungen ablehnt, verliert man die Neutralität und letztendlich den Verstand. Denn auch diese Konstrukte dienen nur den geistig schwachen Menschen zum Aufbau einer eigenen Identität und/oder eines kollektiven Bewusstseins. Dabei baut man sich einen goldenen Käfig dessen Vorzüge die Erhaltung einer inneren wie äußeren Ordnung sind. Einen Menschen mit größeren geistigen Intentionen wird so ein Käfig aber zu irgendeinem Zeitpunkt in seinem Schaffen behindern, und gelingt ihm nicht rechtzeitig die Abstreifung sogar zerstören.
Und gerade solche Dinge sollte den zukünftigen Generationen näher gebracht werden. Zwar haben wir seit den 1990er Jahren deutliche Schritte in Richtung universeller Freiheit unternommen, doch beschränkt sich diese Freiheit eher auf eine möglichst große Erfüllung der eigenen egoistischen Bedürfnisse. So haben wir Generationen verblendeter Menschen geschaffen, deren größter aller Träume wohl in der vollkommenen Diktatur des Kapitalismus liegt. Was würde man sich auch anderes wünschen, wenn die Welt einem seit Geburt mit den himmlischen Vorzügen der Gedankenlosigkeit belohnt?