Der Traum

Etwas war nicht in Ordnung mit ihm. Er hatte es bereits gefühlt als er sich anschickte zu Bette zu gehen. Er hatte diesen Umstand fernerhin als Zeichen seines stetigen Hungers behandelt und einen süßen Apfel aus dem Garten verspeist. Doch dieser war ihm jetzt weniger Bereicherung als viel mehr ein schwerer Stein in seinem Magen. Zudem hatte er schon wieder den Traum gehabt und lag jetzt klamm in seinem Bette. Notgedrungen mühte er sich aus dem Bett, auf der Suche nach der flimmernden Digitalanzeige, den er letzten Geburtstag von seiner Schwester erhalten hatte. Wild herum gestikulierend und mit Gewissheit für Aussenstehende unmöglich wirkend, tastete er in der Dunkelheit seinen übervollen Nachttisch nach der Uhr ab. Etwas fiel zu Boden und schlug dumpf auf den Bodendielen auf. Fluchend erhob er sich nun vollends und eilte zum anderen Ende des Zimmers in dem sich der Schalter für die Beleuchtung befand. Vor lauter Betriebsamkeit hatte er den braunen Apfelstumpf von seinem Platze gefegt und musste diesen nun mühsam aufheben. Seufzend beförderte er die leblosen Reste in den nahen Papierkorb und wandte sich wieder der Suche nach seinem Wecker zu. Nach ergebnisloser Suche in seinem Schlafzimmer setzte er sich wieder auf das Bett und lies seine Gedanken kreisen. Noch immer beschäftigten ihn das Gesehene. Seit nunmehr acht Monaten plagte ihn ein und derselbe erdrückende Traum schon. Es waren stets die identischen Bilder und stets der gleiche Ausgang. Unzählige Besuche bei den Psychiatern der Stadt hatten nur noch mehr Verwirrung gestiftet. Anstatt ihm einen Weg aufzuweisen oder ihm zuzuhören machten sie alle Notizen, gaben ab und zu ein „Ja.“ oder „Wirklich?“ von sich und begnügten sich letztendlich damit ihren Rezeptblock zu zücken während sie beschwichtigend versicherten wie gesund er doch sei. Aber fragte man ihn so war er sich dessen nicht bewusst. Es schien ihm gegenteilig als unheilbare Krankheit. Doch dies stand nun erstmals wieder hinten an, denn sein kleiner Wecker war noch immer verschwunden. Noch immer etwas schlaftrunken und den ganzen Fragen überdrüssig erhob er sich abermals von seiner Schlafstätte. Er irrte durch die leere Wohnung doch fand selbst nach Minuten des emsigen Suchens nicht das gewünschte Objekt. So wie sich die Lage abzuzeichnen drohte wollte der Zeitgeber sich nicht in den Dienste seiner Wahrheit stellen. Erneut fluchend machte er sich auf den Weg in seine Küche mit der Intention sich etwas zu Trinken zu holen. Vereinzelt lag noch benutztes Geschirr herum doch die Oberfläche glänzte noch vom letzten Besuch seiner Haushälterin. Bis auf die von Schmutz starrende Kaffeemaschine schien die gesamte Küche verwaist. Stockend sprang die rote Betriebsleuchte an und das monotone Brummen des Boilers setzte ein. Fröstelnd stand er auf den eisigen Fliesen und nahm sich eine neue Tasse aus dem Schrank. Mitten in das Geräuschspektrum klingelte der Telefonapparat. Irritiert wer sich da bei ihm melden mochte eilte er zum Telefon. Obgleich er nicht wissen konnte wie spät es war ahnte er um die besondere Bedeutung des Anrufs. Beim dritten Schellen des Apparates nahm er den Hörer aus der Gabel. „Sie sind nicht da“, drang es aus dem kleinen Lautsprecher, gefolgt von einem bizarr klingendem Klicken. Irritierter als zuvor lief er zurück in die Küche. Sinnierend darüber was das Telefonat zu bedeuten hatte trat er auf die Überreste des Zeitgebers.

Leave a Reply